Beinahe jeder glaubt, einfach alles über den eigenen Partner zu wissen. Tatsächlich haben die meisten Paare aber auch nach Jahren noch kleine (oder größere) Geheimnisse voreinander. Findet ein Partner etwas absolut Unerwartetes über seinen Liebsten heraus, ist er natürlich in der Regel überrascht, oft auch verunsichert und enttäuscht. Häufig hat er das Gefühl, diese Erfahrung bringe sein Beziehungsleben völlig durcheinander. Den meisten betroffenen Paaren fällt es deshalb sehr schwer, in einem so neuen und emotionalen Moment konstruktiv zu reagieren und offen darüber zu sprechen. Damit ihr einer solchen Situation im Fall der Fälle nicht unvorbereitet begegnet, geben wir euch heute einige Tipps, um dieses Gespräch zu strukturieren:

Phase 1: Das Geheimnis verstehen

Einigt euch erst einmal darauf, so sachlich wie möglich miteinander zu sprechen. Ist einer von euch gerade sehr emotional, versucht, euch zuvor etwas zu beruhigen.

Wenn du eine unerwartete Seite an deinem Partner entdeckt hast, ist es wichtig, sie zu verstehen. Sprecht deshalb zunächst offen über die Entdeckung selbst: Solltest du noch etwas darüber wissen? Gib deinem Partner die Gelegenheit, sie ausführlich zu beschreiben. Das ist wahrscheinlich gar nicht so einfach, wenn du enttäuscht oder gar wütend bist – aber es ist die Voraussetzung dafür, die aktuelle Situation aufzuarbeiten. Nach dieser Phase solltest du alle wichtigen Aspekte des Geheimnisses kennen.

Phase 2: Die Gründe verstehen

Um verarbeiten zu können, dass der Partner etwas verheimlich hat, möchten die meisten vor allem die Gründe dafür verstehen. Versucht deshalb gemeinsam zu ergründen, warum dein Liebster dieses Geheimnis hatte. Behalte dabei im Kopf, dass er dich damit sicher nicht verletzen wollte. Meist ist sogar das genaue Gegenteil der Fall: Häufig schämt ein Partner sich für eine vermeintliche Schwäche oder hat Angst, den anderen zu verlieren. Überlegt zusammen, woher solche Gefühle stammen könnten – eventuell aus negativen Erfahrungen in einer früheren Beziehung? Vielleicht kannst du die Gründe deines Partners nun sogar nachvollziehen. Denkt auch darüber nach, wie ihr mit diesen Emotionen umgehen könnt, damit eine solche Situation sich nicht wiederholt.

Achtung: Versucht unbedingt, Vorwürfe zu vermeiden. Aussagen wie „Ich habe nichts gesagt, weil du dich immer so aufregst“ sind genauso wenig hilfreich wie Vorwürfe über die Geheimhaltung. Bemüht euch, sachlich zu bleiben – auch, wenn es schwerfällt.

 Phase 3: Deine Gefühle verstehen

Erzähle nun auch du, wie du dich fühlst – bist du enttäuscht, verletzt? Versuche zu erklären, warum du dich so fühlst: Löst die Situation zum Beispiel auch bei dir Verlustängste aus? Hast du das Gefühl, deinem Partner nicht mehr Vertrauen zu können? Nur, wenn du jetzt ehrlich zu deinem Liebsten bist, kann er dich und deine Reaktionen verstehen und erkennen, was du brauchst. Achte auch in dieser Phase darauf, Vorwürfe zu vermeiden.

Phase 4: Verlorenes Vertrauen wiederherstellen

Ihr habt euch nun ausgesprochen und wisst, wie ihr beide euch fühlt und was ihr euch wünscht: Vermutlich geht es keinem von euch gut mit der aktuellen Situation. Entscheidet euch deshalb bewusst dafür, gemeinsam daran zu arbeiten. Nur als Team könnt ihr sie bewältigen. Überlegt daher zusammen, wie ihr verlorenes Vertrauen wiederherstellen und diese Erfahrung verarbeiten könnt. Diese Tipps können euch dabei unterstützen.

Euer Gespräch anhand dieser 4 Phasen zu strukturieren, kann euch dabei helfen, eine scheinbar chaotische Situation zu ordnen. Das erleichtert es euch, konstruktiv darüber zu sprechen und gemeinsame Lösungen zu finden. Wenn euch das sehr schwerfällt, beispielsweise weil es sich um ein schwerwiegendes Geheimnis handelt, kann zusätzlich professionelle Unterstützung in einer Paarberatung oder durch einen Paartherapeuten hilfreich sein.

– von Juliane

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