Jeder, der eine Beziehung eingeht, hat bestimmte Erwartungen an den Partner und die Partnerschaft: Der Liebste soll zum Beispiel die gleichen Werte und Lebensziele haben und seinen Partner in jeder Lebenslage unterstützen. In der Beziehung soll es am besten niemals zu Streit kommen. Außerdem soll er sich mit der eigenen Familie und den Freuden verstehen, immer gutgelaunt und charmant sein und sich natürlich bemühen attraktiv zu bleiben. Und der Sex soll selbstverständlich umwerfend leidenschaftlich sein. Kurz gesagt: Viele erwarten, dass der Partner sie jeden Tag glücklich macht.

Liebesromane, Lovesongs und das Kino vermitteln jede Menge (fiktiver) Beispiele für genau so eine ideale Beziehung mit dem perfekten Partner. Und auch im Bekanntenkreis hört ihr von den meisten wahrscheinlich nur das Beste über ihre Partnerschaft. So entsteht schnell der Eindruck, es wäre der Normalfall, dass alle Erwartungen an den Partner ausnahmslos und jederzeit erfüllt werden – Experten bezeichnen dieses Phänomen als „Disneyfizierung der Liebe“.

Wunschvorstellung trifft auf Realität

Mit der rosaroten Brille sieht es bei vielen Paaren am Anfang ihrer Beziehung oft auch ganz danach aus. Schließlich bemühen sich beide Partner, dem anderen jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sich nur von ihrer besten Seite zu zeigen. Mit der Zeit lässt das allerdings in der Regel nach. Andererseits kommen in einer Langzeitbeziehung aber meist weitere Erwartungen hinzu – beispielsweise, dass sich die Partner blind verstehen und zu 100 % vertrauen.

Die meisten Paare stellen daher früher oder später fest, dass in ihrer Beziehung einige ihrer Erwartungen unerfüllt bleiben. Zugleich bemerken sie häufig, dass die Erwartungen beider Partner außerdem ziemlich unterschiedlich sind – während einer beispielsweise körperliche und emotionale Nähe sucht, erwartet der andere Freiraum und Unabhängigkeit. Die Folge: Viele Partner sind ernüchtert von ihren enttäuschten Erwartungen. Gleichzeitig spüren sie, dass sie den Erwartungen des anderen nicht gerecht werden können und leiden unter dem Erwartungsdruck. Konflikte sind so unvermeidbar – und das dauerhafte Gefühl der Enttäuschung schadet der Beziehung.

Vielleicht kennt auch ihr diese Problematik. Wir möchten euch in unserer neuen Serie dabei helfen, in mehreren Schritten konstruktiv damit umzugehen. Den ersten Schritt könnt ihr schon heute gehen:

Schritt 1: Macht euch eure Erwartungen bewusst

Den meisten Menschen sind ihre eigenen Erwartungen gar nicht bewusst. Sie erkennen sie oft erst, wenn sie schon enttäuscht wurden – denn sie spüren die damit verbundene Wut und Trauer. Denkt deshalb erst einmal beide darüber nach, welche Erwartungen ihr an eure Partnerschaft und euren Partner stellt. Sammelt sie jeweils auf einer eigenen Liste und überlegt dabei auch, woher sie kommen könnten – steckt Hollywood eventuell dahinter? Prüft im Anschluss daran, ob eure Erwartungen realistisch und erfüllbar sind: Erwartest du unbewusst vielleicht auch, dass dein Partner dich glücklich macht? Frage dich, ob das im wahren Leben überhaupt möglich ist – ist nicht jeder in erster Linie selbst für sein Glück verantwortlich?

Wenn du bei deiner Prüfung unrealistische Erwartungen entdeckst, versuche dich bewusst von ihnen zu lösen. Symbolisch kannst du sie dazu auf deiner Liste durchstreichen. Wahrscheinlich wird es dir trotzdem nicht von jetzt auf gleich gelingen, sie völlig abzulegen. Achte aber bewusst darauf, wann sie auftauchen, und rufe dir dann immer wieder in Erinnerung, dass sie gar nicht erfüllt werden können. Auf Dauer wirst du deine unrealistischen Erwartungen so endgültig ablegen können.

Sortiert eure verbleibenden Listen nun jeweils nach Priorität: Welche Erwartungen sind dir wirklich wichtig und sollten in deiner Beziehung unbedingt erfüllt sein? Kannst du einige unwichtige vielleicht sogar streichen, ohne dass dir etwas Bedeutsames fehlen würde?

Nehmt euch Zeit, um euch eure Erwartungen auf diesem Weg bewusst zu machen und sie für euch zu ordnen – denn das ist die wichtigste Voraussetzung dafür, gemeinsam konstruktiv mit ihnen umzugehen. Geht unseren Schritt 1 daher in den nächsten Tagen in Ruhe. Die nachfolgenden Schritte erfahrt ihr am Ende der Woche in unserem nächsten Blog.

– von Juliane

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