Für viele Paare ist es lebenslang das zentrale Beziehungsthema: Wie viel Nähe brauche ich, wie viel Freiraum?

Häufig beantworten beide Partner diese Frage unterschiedlich – einer fühlt sich eingeengt, der andere gleichzeitig vernachlässigt. Doch wie kann es sein, dass zwei Personen dieselbe Situation so unterschiedlich wahrnehmen? Sind sie „von Natur aus“ verschieden?

Erfahrung oder Erbgut?

Jein – den wichtigsten Einfluss haben die Erfahrungen, die ein Mensch gemacht hat. Wurde jemand beispielsweise schon mehrmals schmerzhaft zurückgewiesen, hat er vielleicht in späteren Beziehungen Angst, Nähe zuzulassen. Oder aber er klammert, aus Sorge, den Geliebten zu verlieren. Welche dieser verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten eine Person zeigt, wird dabei stark von ihrer genetischen Ausstattung beeinflusst. Wie viel Nähe ein Mensch als angenehm empfindet, wird also sowohl durch ihre Gene als auch ihre Erlebnisse bestimmt.

Die Balance finden

Haben zwei Partner sehr unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und Distanz, kann das zu einem dauerhaften Streitthema in ihrer Beziehung werden – und dazu führen, dass beide langfristig unglücklich werden. Doch die gute Nachricht: Es gibt einen Weg, um diese ungleichen Bedürfnisse in einer Partnerschaft auszubalancieren! Wir stellen euch drei Schritte vor, die euch dabei helfen können. Den ersten zeigen wir euch schon heute und möchten euch danach etwas Zeit geben, ihn zu gehen. Die nächsten zwei erwarten euch daher erst in unserem nächsten Blog. Probiert diesen Schritt gemeinsam aus – auch, wenn du gerade glücklich mit der Nähe-Distanz-Balance in eurer Beziehung bist. Denn er unterstützt euch in jedem Fall dabei, zusammen den Status quo zu bestimmen, euch eurer Bedürfnisse bewusst zu werden und sie klar zu formulieren!

Schritt 1: Sprechen

Wie bei jedem erdenklichen Beziehungsproblem gilt: Sprecht unbedingt darüber! Frage deinen Partner, wie er die Balance in eurer Beziehung empfindet. Bist du mit ihr unzufrieden, beschreibe möglichst genau, was dich stört. Erinnere dich am besten an unsere Serie zu guter Kommunikation zurück oder lies die Regeln noch einmal nach.

Im Anschluss daran sollte jeder von euch möglichst präzise Wünsche formulieren. Hört sie euch gegenseitig an und versucht, sie nicht als persönlichen Angriff zu empfinden. Nehmt dabei jederzeit die Gefühle des anderen ernst. Beispiele können sein:

„Ich wünsche mir mehr Nähe und Zärtlichkeit, weil ich dann spüre, dass ich dir wichtig bin und du mich liebst.“

oder

„Ich brauche mehr Freiraum für mich, weil ich nur so meine Individualität behalten kann. Das ist nicht gegen dich gerichtet und bedeutet nicht, dass ich dich nicht liebe.“

Benennt außerdem klar, wieviel Nähe bzw. Freiraum ihr euch persönlich wünscht und wie das für euch idealerweise inhaltlich aussehen würde – was würdet ihr zum Beispiel gerne in dieser Zeit machen? Bemühe dich stets, deine Wünsche zu begründen, damit sie für deinen Partner nachvollziehbar werden und er verstehen kann, warum sie für dich so wichtig sind. Mache dir dazu auch einmal Gedanken über deine früheren Erfahrungen, um zu ergründen, welche dich geprägt haben. So kannst du auch deine eigenen Bedürfnisse besser verstehen.

Ziel: Verständnis

Nehmt euch Zeit für dieses Gespräch – es geht noch gar nicht darum, eine Lösung oder einen Kompromiss zu finden. Das Ziel ist erst einmal, dass jeder von euch für sich herausfindet, was er möchte und braucht. Und, dass ihr es euch gegenseitig so mitteilt, dass der andere es versteht. Nehmt die Wünsche eures Partners wohlwollend auf – das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass ihr zu den Schritten 2 und 3 übergehen könnt, um eure Nähe-Distanz-Bedürfnisse auszubalancieren. Diese Schritte könnt ihr in unserem nächsten Blog entdecken.

– von Juliane

0 0 vote
Article Rating
PAIRfect

folge uns

folge PAIRfect auf Instagram folge PAIRfect auf Facebook folge PAIRfect auf Pinterest