Machtdemonstration – das klingt wie etwas, dass es typischerweise im Job gibt: Der Chef lässt seine Untergebenen spüren, dass er am längeren Hebel sitzt. Doch auch in Beziehungen kommt so etwas vor. Vielleicht hat der ein oder andere von euch ja schon selbst etwas Ähnliches wie dieses Beispiel erlebt: Ein Paar teilt sich ein Auto. Partner A hat es in letzter Zeit oft ungefragt genommen, obwohl Partner B es auch gerne genutzt hätte. Jetzt hat Partner A Karten für ein Konzert in einer abgelegenen Arena und braucht dringend das Auto, um gemeinsam mit einem Freund dorthin zu fahren. Weil Partner B so sauer über die mangelnde Absprache der letzten Wochen ist, rächt er sich nun, indem er gerade an diesem Tag länger arbeitet und das Auto erst zu spät zurückbringt, sodass Partner A und sein Freund deswegen das Konzert verpassen.

Dieses Beispiel zeigt, dass ein Partner eine solche Machtdemonstration des anderen gleich auf zwei Arten interpretieren kann:

1. nach außen gerichtet: „Mein Partner möchte zeigen, dass ich von ihm abhängig bin und er bestimmen kann, was ich tun kann und was nicht.“

2. nach innen gerichtet: „Meine Wünsche und Bedürfnisse sind meinem Partner egal. Er hilft nicht dabei, sie zu erfüllen, und steht ihnen sogar im Weg.“

Das subtile Spiel mit der Macht

Das ist natürlich ein drastisches Beispiel – es gibt aber auch viel subtilere Varianten der Machtdemonstration. Dazu gehört eine Art „Spiel“ mit Ängsten des Partners. Das bricht sich oft in kleinen Nebensätzen Bahn – diese können aber eine gesamte, ansonsten unterstützende Aussage untergraben. Stell dir zum Beispiel einmal vor, ein Partner erhält eine Beförderung, über die er sich zwar freut, vor der er aber auch Respekt hat. Wenn der andere dann sagt: „Du bist zwar nicht so der Chef-Typ, aber da wächst du schon noch rein“, kann das sein Selbstbewusstsein ganz schön beschädigen. Solche Aussagen werden paradoxe Botschaften genannt. Auf diese Weise drücken sich manchmal echte Zweifel und Sorgen des Partners aus – sie können so aber nicht konstruktiv besprochen werden, sondern verletzen den anderen nur.

Auch aus alten, aber ungelösten Konflikten werden oft Machtdemonstrationen – beispielsweise, wenn ein lange zurückliegender Streit, in dem ein Partner sich nicht gut verhalten hat, vom anderen immer wieder aufgewärmt wird. Die klare Botschaft: „Ich habe das nicht vergessen“. Dadurch werden beim Partner jedes Mal aufs Neue Schuldgefühle hervorgerufen. Ähnlich wie bei verachtenden Verhaltensweisen, mit denen wir uns in Teil 2 der Serie beschäftigt haben, werden auch solche Machtdemonstrationen als besonders schmerzhaft empfunden, die an persönlichen wunden Punkten ansetzen.

Rückzug oder Angriff

Das gemeine an Machtdemonstrationen: Sie verletzen tief und man kann sich meist kaum dagegen wehren, weil sie als scheinbar gerechtfertigt daherkommen – man hat das Auto ja wirklich oft benutzt, hat selbst Respekt vor der Beförderung oder hat sich tatsächlich in dem alten Streit unfair verhalten. Daher bleibt als einziger Weg oft Rückzug – mit all den negativen Folgen, die wir vorgestern in Teil 3 der Serie kennengelernt haben. Manchmal entsteht auch eine Spirale aus gegenseitigen Machtdemonstrationen, die dann nicht selten in der ultimativen Demonstration endet: Einer Affäre – die Botschaft an den Partner: „Ich brauche dich nicht. Deine Bedürfnisse nach Treue und Ehrlichkeit sind mir egal.“

Gegenmaßnahmen

Wenn du merkst, dass in deiner Beziehung ein Machtspiel entsteht, sprich es direkt an. Erkunde dann gemeinsam mit deinem Partner auf Augenhöhe, was der Grund dafür ist – vielleicht eine ernsthafte Sorge, die er nicht anders auszudrücken weiß, oder Ärger über eine (zurückliegende oder aktuelle) Situation? Machtspiele schaden eurer Beziehung immer, deshalb ist es wichtig, über die dahinterliegenden Motive zu sprechen, damit sie nicht mehr nötig sind!

(Quelle: Gottman, J. M. (2014). Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe. Berlin: Ullstein.)

– von Juliane

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