Vielleicht kennt ihr das auch: Manchmal ist in einem Streit irgendwann ein Punkt erreicht, an dem man sich einfach nicht weiter mit der Situation auseinandersetzen möchte – besonders, wenn zuvor verachtende Äußerungen gefallen sind. Bei vielen Paaren zieht sich dann nach einiger Zeit ein Partner zurück und geht dem Konflikt aus dem Weg. Meist reagiert der andere Partner entsprechend darauf und zieht sich ebenfalls zurück.

Rückzugsverhalten in der Partnerschaft

Rückzugsverhalten kommt in einer Beziehung aber nicht nur während eines akuten Streits vor, sondern hat viele Gesichter: Häufig vermeidet ein Partner beispielsweise auch von vornherein Gespräche über heikle Themen, indem er mauert und zum Beispiel den Raum verlässt, wenn ein bestimmtes Thema angesprochen wird. Das dient oft als Selbstschutz, um sich bei einem Konflikt über diesen Bereich nicht verletzlich zu machen. So entstehen manchmal regelrechte „Schweige-Themen“, über die ein Paar gar nicht mehr spricht. Ein anderer Auslöser für einen Rückzug kann Stress im Job sein, dem ein Partner ausgesetzt ist: Durch Schweigen und Mauern möchte er zusätzlichen Beziehungsstress vermeiden. Oft entsteht ein Rückzug sogar unbewusst, also ohne, dass ein Partner sich explizit dazu entschieden hat.

Die Folgen des Rückzugs

Das klingt ja auch erst mal verlockend: Eine einfache Verhaltensweise, die einen hitzigen Streit sofort beendet oder das Ausbrechen eines Konflikts vermeidet. Diese Sichtweise unterschätzt aber die Signalwirkung – denn durch ein Mauern gegen den Partner signalisiert man: „Ich lasse dich nicht an mich ran, du bist unerwünscht.“ Außerdem macht es die Aufarbeitung und Lösung von Konflikten unmöglich – das belastet die Partnerschaft. Im schlimmsten Fall löst das beim anderen das Gefühl aus, der Partner habe kein Interesse mehr an der Beziehung – denn es scheint so, als würde er sich nicht mehr mit dem Partner austauschen wollen und wolle nicht mehr in die Partnerschaft investieren, um gemeinsam Probleme zu lösen. Rückzug verhindert also jede emotionale Nähe zwischen den Beziehungspartnern und führt auf Dauer zu einer emotionalen Entfremdung – eine der häufigsten Trennungsursachen!

Gegenmaßnahmen

Die wichtigste Maßnahme gegen den Rückzug eines Partners ist die Vorbeugung: Verbringt regelmäßig Zeit miteinander, in der ihr euch gemeinsam entspannt. Das verstärkt eure emotionale Nähe zueinander – und die ist eine wichtige Basis, um vertrauensvoll über alles sprechen zu können. Über ein heikles Thema zu sprechen wird außerdem leichter, wenn du in einem angenehmen Moment über deinen Schatten springst und es ansprichst. Schaffe dazu ein lockeres Klima und taste dich langsam heran, indem du mit deinem Partner erst einmal über harmlosere Themen redest und dabei gemeinsam mit ihm lachst. Wenn du ihm dann noch sagst, dass das Thema für dich unangenehm ist, schaffst du eine optimale Situation, um es behutsam zu besprechen.

Und auch im Streitfall gilt: Rückzug hilft nicht dabei, ein Problem aus der Welt zu schaffen. Wenn du den Raum in der Hitze des Moments schon verlassen hast, versuche dich zu beruhigen und suche dann wieder das Gespräch. Dabei kannst du deinem Partner zum Beispiel als Wiedereinstig sagen: „Ich habe gerade noch einmal über das Problem nachgedacht und möchte es gerne weiter mit dir besprechen, weil es mir wichtig ist, dass wir das gemeinsam lösen.“ So regst du einen neuen Dialog an, der eurer Beziehung guttut!

(Quelle: Gottman, J. M. (2014). Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe. Berlin: Ullstein.)

– von Juliane

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